| |
Chatten
Was bedeutet eigentlich "Chatten"? Nun - ganz einfach: "Chatten" steht in
Deutsch für "Unterhaltung und Plaudern", und eben dieses Chatten ist eine der
Lieblingsbeschäftigungen unzähliger Userinnen und User. Zum Verständnis dazu
müssen wir um einige Jahre in der Geschichte zurückgehen. Damals -
zu Zeiten des guten alten BTX (Bildschirmtext ab 1980) der Telekom AG - war eher
von "Tele-Dialogen" die Rede, in denen nicht gechattet, sondern vielmehr
"getickert" wurde. Wieso denn "Tickern"? Das alte, mit Ende des Jahres 2000
endgültig abgeschaltete BTX-System wurde eben durch das "Antickern"
oder Aufrufen von ein bis dreistelligen Zahlen bedient, die vor den jeweiligen
Sachbegriffen standen. Dies geschah entweder mit der Maus, mit der - eigentlich
so wie heute - auf die betreffende Zahl geklickt wurde, oder auch ebenso einfach
durch entsprechende Eingabe über die Tastatur. |

Quelle:
PixelQuelle.de
|
Früher war es teuer
Ältere User, die vor den Zeiten des heutigen Internets in BTX aktiv waren,
stöhnten häufig über die horrenden Telefonrechnungen, die oft mehrere 100 Mark
pro Monat betragen konnte: ließen sich zum einen die Betreiber der BTX-Systeme
aber auch die Telekom jeden Klick oft teuer bezahlen. Viele Nutzer dieses BTX
wurden dabei nicht selten total ruiniert. Abgerechnet wurde über die
Telefonrechnung, wie es heute auch noch bei Call by Call-Einwahlen ins Internet
der Fall ist. BTX-Chat-Systeme waren horrend teuer, Privatpersonen konnten sich
eigene BTX-Seiten so gut wie überhaupt nicht leisten. Damals nannte man die
Betreiber "Anbieter", heute sind es eher die Provider. Die ihnen zustehenden
Vergütungen - häufig war es schlicht und einfach Abzocke - erhielten sie von der
Telekom ausgezahlt. Vor allem Erotik-Händler wie Orion oder Beate Uhse
verlangten unverschämte Minutentakte, die durchaus 1,80 DM pro Minute betragen
konnten. Zuerst gab es zum Gebrauch des Bildschirmtextes eigene Bildschirmgeräte
inklusive Modem der Telekom, später war die Bedienung des BTX dann auch per
Software - dem so genannten "BTX-Decoder" über den Monitor des PC möglich. Noch
lange Zeit wurden Internet und BTX sogar parallel gefahren. Download von Fotos
über BTX war auch teilweise möglich, allerdings unendlich langsam und extrem
teuer. Zudem machte die Telekom anfangs emsig Werbung für das Internet - mit
Geschwindigkeiten von nur 2400 (!)
Baud.bzw. Kilobyte / Sekunde.
 |
Teledialog-Systeme
Kommen wir nun zurück zu den Teledialog- bzw. Chatsystemen (es gibt da technisch
sehr Unterschiedliche) Ältere kennen sie z. B. unter den Namen "Atlantis",
"Eden" (das es auch heute noch gibt) oder auch dem guten alten (erotikfreien)
"Traumschiff". Dieses und auch den beliebten Erotik-Teledialog "Joy" findet man
noch heute - angepasst an die moderne Internet-Technologie - unter
www.fundialoge.de (übrigens zurzeit
kostenlos). Die Zugänge sind leider relativ einfach zu handhaben. Die Erklärung
anzuklicken, dass man 18 Jahre alt sei, genügt häufig für den Zutritt (auf
amerikanischen Chat-Seiten ist das generell der Fall) zu den Erotik-Chats.
Kontrollieren kann man das sowieso nicht; es sei denn Eltern sichern den
Computer entsprechend vor ihren minderjährigen Kindern. Man gelangt zu einem
Eingabefeld, in dem man sich ein "Pseudonym" - heute meist "Nick" genannt -
aussucht. Gibt es den Wunschnamen schon, erscheint eine Warnmeldung, was bei der
Wahl gewöhnlicher Vornamen meist der Fall ist. Ob der "Nick" nun männlich,
weiblich oder auch neutral ist, interessiert das System dabei überhaupt nicht,
da man laut den Geschäftsbedingungen - die man meist erst bestätigen muss - "auf
eigene Verantwortung" das Chatsystem benutzt. In der Regel muss auch noch ein
Passwort eingegeben werden, damit man seinen Nicknamen auch bei Wiederbenutzung
behält. |
virtuelle Visitenkarten
Man kann dann eine eigene "Visitenkarte" ausfüllen und sogar noch ein kleines
Foto mit einbinden. Ob es nun das echte ist oder man das Foto sonst irgendwo
geklaut hat, sei einmal dahingestellt - auch das kann man in den riesigen Räumen
des Internets kaum feststellen. Auch ein eigenes "Postfach" wird mit angelegt,
in dem man die Mitteilungen vor findet, die nach dem Verlassen des
Dialog-Systems noch eintrudeln. Ist man also eingeloggt, gelangt man zu der
Mitglieder-Liste, in der alle Pseudonyme stehen, die gerade den Chat benutzen.
Durch das Anklicken eines Smiley (auch den kann man sich auswählen) ist die
betreffende Visitenkarte einsehbar, und man kann dem gewünschten Pseudonym eine
Mitteilung zukommen lassen. Nachteil dieses Teledialog-Systems ist, dass man
alle Mitteilungen
nacheinander lesen muss, wie sie eingehen. Man kann zwar nicht erwünschte Leute
"wegdrücken", auch evtl. sperren, aber es öffnet sich nicht - wie das bei den
mit Javascript laufenden Systemen der Fall ist - ein separates Fenster. Man
befindet sich zunächst im Einzeldialog, kann aber auch in einen Gruppendialog
wechseln, in dem alle jede Nachricht lesen können. Durchaus lässt sich auch ein
"Zusatz-Pseudonym" einrichten - um die Verwirrung anderer einmal komplett zu
machen.
Soweit so gut. Aber: Wer ist Männlein, wer ist Weiblein, wer ist seriös oder
unseriös? Ob z. B.
"Helga, 22 J." wirklich 22 Jahre alt ist oder sich ein 52-jähriger Mann dahinter
verbirgt, wird man
kaum feststellen können. Denn es hieß schon früher: "Der Teilnehmer akzeptiert
die Besonderheiten des anonymen Dialoges. Frauen können sich als Männer und
Männer als Frauen ausgeben". Achtung also: Es gibt hier ausgekochte Profis. Und
auch scheinbar weibliche E-Mail-Accounts lassen sich leicht "unter falscher
Flagge" anlegen!
fWeiter
zu: Wochenthemaarchiv |
|